Erste Schritte in die europäischen Institutionen

Als Sprachmittler streben wir, die Studierenden des FTSK, für unseren künftigen beruflichen Werdegang nach einem möglichst multikulturellen Umfeld. Genau das begünstigt die Europäische Union mit ihrer einzigartigen Konstruktion: Im Schoß der EU – bei der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission in Luxemburg – lässt sich ein Übersetzungspraktikum absolvieren.

Dieses Praktikum dauert drei Monate und kann in den meisten Fällen um weitere drei Monate verlängert werden. Eine Bewerbung ist bis zu viermal im Jahr möglich, ohne dass es eine begrenzte Anzahl an Bewerbungsversuchen gibt. Obwohl gute Kenntnisse der englischen Sprache im Bewerbungsprozess kein Muss sind, können diese auf jeden Fall von Nutzen sein, da in den EU-Institutionen überwiegend aus dem Englischen übersetzt wird. Durch das Praktikum erhält man einen Einblick in die Arbeitsweise und die Politik der EU-Organe. Weiterhin ist es eine großartige Gelegenheit, seine theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen und erste Berufserfahrung in einem internationalen und multikulturellen Umfeld zu sammeln. Auch Terminologie-Fans kommen hier auf ihre Kosten, da man neben dem Übersetzen ein Terminologieprojekt durchführt, zu dem unter anderem ein persönlicher Beitrag zur EU-Terminologiedatenbank IATE im Bereich seiner Wahl gehört. Neben den offensichtlichen Vorteilen, die sich aus einer solchen Erfahrung ziehen lassen, wird darüber hinaus eine finanzielle Vergütung gezahlt, deren Höhe von der Art des Praktikums – d.h. ob man sich mit abgeschlossenem Studium bewirbt oder nicht – abhängt. Dieses Erasmus-mäßige Erlebnis lässt die Teilnehmer zudem Freundschaften und vielerlei andere Kontakte in ganz Europa knüpfen, denn jede Übersetzungsabteilung – insgesamt 24, eine für jede offizielle Sprache der EU, – hat bis zu 5 PraktikantInnen!

 

Einige Absolventen berichten über ihre Erfahrung:

 

Für Johanna, die Übersetzen sowie Dolmetschen studierte, habe sich das Praktikum in ihrer Karriere als entscheidend herausgestellt. Denn trotz des hohen Anspruchs und der Qualität des Praktikums, sah sie sich in ihrem Eindruck bestärkt, dass ihr die professionelle Übersetzung in solchen Institutionen nicht zusage. So konnte sie ihre künftige Laufbahn in eine für sie bessere Richtung lenken.

 

Louis, heute noch immer als Übersetzer tätig, ist sich sicher, dass sein kurzer Aufenthalt bei den EU-Institutionen einen entscheidenden Einfluss auf seine weitere Laufbahn ausgeübt hat: In der Tat habe er weiterhin neue Aufträge erhalten, die meistens in Zusammenhang mit EU-Geschäften stehen. Des Weiteren diente ihm das Praktikum seiner Meinung nach als Sprungbrett für eine achtmonatige Anstellung als Übersetzer in den Institutionen. Es spielte also eine zentrale Rolle im Auswahlverfahren.

 

Geoffrey spricht von seinem unvergesslichen Abenteuer, durch das er zahlreiche talentierte und leidenschaftliche ÜbersetzerInnen sowie PraktikantInnen aus ganz Europa kennenlernen konnte. Das Programm habe ihm ebenfalls sehr gefallen, besonders hebt er die Ausbildung mit der Software SDL Trados Studio und die Besichtigungen der EU-Räumlichkeiten in Brüssel und Straßburg hervor. Er spricht vor allem über die persönlichen Vorteile, die er aus dieser Erfahrung gezogen habe, nämlich dass er sein Selbstbewusstsein sowie seine Fachkompetenzen ausbauen konnte und dadurch sein Interesse an den EU-Institutionen geweckt wurde.

 

 

Eines ist sicher: Für alle war das Praktikum bei der Generaldirektion Übersetzung der EU-Kommission eine interessante, wenn nicht gar erfolgreiche, und auf alle Fälle bereichernde Erfahrung, die jedem bei seiner Zukunftsgestaltung in vielerlei Hinsicht half. Abgesehen von diesem Praktikum gibt es auch andere Möglichkeiten für den ersten Einstieg bei den EU-Institutionen, u.a. das Robert-Schumann-Praktikum oder ein Dolmetschpraktikum (mehr Infos sind online erhältlich).

Jonathan Gautier

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